Ein Haus bleibt die beste Zukunftsanlage

von Oliver W. Schwarzmann,
Zukunftsforscher & Publizist

 

An den Kapitalmärkten ist schon seit längerem nichts mehr zu holen. Auch dem DAX, in 2014 mit keiner schlechten Performance unterwegs gewesen, geht momentan die Luft aus. Zu viele geopolitische Risiken drückten auf den Aktienmarkt, sagen die Experten. Besserung sei wohl keine in Sicht, die Hoffnung auf eine Jahresendrallye äußerst verhalten. Krisen sind ja eigentlich Kaufchancen, allerdings nur für Mutige.
Und mutig sind wenig, man will nicht vom Draufgänger zum Draufleger werden.

Wie also sein Geld anlegen?  
Eine Frage, die mir schon immer, aber in den letzten Monaten äußert oft gestellt wurde.
Freilich, Aktien sind nach wie vor eine interessante Anlage, wenn man die Schwankungen des Marktes aushält und sogar zu nutzen weiß. Dass eine konjunkturelle Delle kommt, besser gesagt: schon da ist, ist real, allerdings könnte die deutsche Wirtschaft schlagartig wieder anders aussehen, wenn die Sanktionen gegen Russland aufgehoben würden. Und nicht nur das: Grundsätzlich ist die deutsche Wirtschaft gut aufgestellt, innovativ und wettbewerbsfähig. Die erfolgreiche Reindustrialisierung der USA könnte für deutsche Zulieferer zum neuen Konjunkturprogramm werden. Die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten werden steigen, davon gehe ich aus. Europa bleibt leider ein Sorgenkind; die fehlende, gemeinsame Identität und ausbleibende Reformen in einigen Ländern werden weiterhin Probleme machen. Europa ist eine wunderbare Vision, die schon viel Realität beinhaltet, aber der politische Kontinent braucht einfach mehr Dynamik, Modernität und Zusammenhalt. Darauf kann man nur hoffen.
Ansonsten ist nur zu raten, langfristiges Geld in Immobilien anzulegen. Zwar wird immer wieder von einer Immobilienblase geredet, und in der Tat gibt es Überhitzungseffekte in Ballungszentren – allerdings bei weitem nicht in dem Maße wie in anderen europäischen Zentren -, aber mit einem Zusammenbruch des deutschen Marktes müssen wir nicht rechnen. Der Grund hierfür ist einfach: Immobilienblasen, die platzen und den Markt ruinieren, sind kreditfinanziert. Eine Kreditblase in Deutschland gibt es nicht. Die Immobilieninvestoren hier in Deutschland – zunehmend aus dem europäischen Ausland – sind vermögende Kunden. Daher ist der aktuelle Wohnbauboom auch auf das Hochpreissegment begrenzt. Der Wohnungsgesamtmarkt hingegen tendiert nach wie vor auf unterdurchschnittlichem Niveau. 
 
Wer noch kein Eigenheim hat, sollte jetzt die Chance nutzen. So tönt es von allen Anbietern. Und das seit Jahren schon.
Aber – Hand aufs Herz – ein Eigenheimkauf ist keine Frage niedriger Bauzinsen. Das zeigt der Markt deutlich.
Vielmehr spielt das Selbstbewusstsein der Interessenten die Hauptrolle.

Traue ich mir einen Hauskauf zu?
Ja, das ist die eigentliche Frage, die sich hinter all den angeblichen „sachlichen“ Fragen verbirgt. Unsicherheit und Ängste regieren längst viele Köpfe von Menschen und Familien, die sich durchaus ein eigenes Zuhause leisten könnten. Schade eigentlich, denn Angst ist kein guter Ratgeber. Gegen den Berater – auch mit schlüssigen Argumenten – nicht ankommen. Denn emotionale Ängste sind mit rationalen Argumenten nicht zu besiegen. Genauso wenig wie mit einem Haufen Garantien. Eine andere Strategie ist aus meiner Sicht entscheidend – es geht darum, dem Kunden die Angst auf emotionale Weise zu nehmen. Das klingt nach Psychologie, und das ist es auch. Gute Verkäufer führen Kunden auf mentale Weise, bestärken sie in ihren eigenen Wünschen und Entscheidungen. Der Kunde muss selbst kaufen wollen. Das war schon vor 10 Jahren so, aber damals trat der Klient selbstbewusst auf, wollte sich aus diesem Grund nichts mehr verkaufen lassen. Heute ist dieses Selbstbewusstsein verschwunden, en gros herrscht Unsicherheit.
 
Die Voraussetzung für mentales Verkaufen sind natürlich Verkäufer, die diese Selbstsicherheit auch ausstrahlen und übertragen können. Gerade Letzteres ist wichtig, weshalb Blender heute keine Chancen mehr haben. Ich denke, es ist ein Verkäufertyp gefragt, der Klarheit schaffen kann. Und der an das Selbstbewusstsein des Kunden appellieren und es stärken kann. Dabei geht es nicht um platte Motivation, sondern um Inspiration, ja um Mut machen. Verkäufer müssen also, wenn Sie meiner Annahme folgen mögen, zu echten Führungspersönlichkeiten heranwachsen.
Und diese Aufgabe mit ganzem Herzen erfüllen.

 

 

(Oktober 2014)