Vorsätze 2015: Was werden wir tatsächlich ändern?

von Oliver W. Schwarzmann,
Zukunftsforscher & Publizist

Was wäre das Neue Jahr ohne die guten alten Vorsätze?
Unter der Maxime „Ein neues Jahr, ein neues Glück“ markiert der Zeitwechsel ja nicht nur einen bloßen Datumsübergang. Es geht vielmehr darum, sich neu zu orientieren.
Ja, neu anzufangen.
Nur wie?
Freilich, keiner kann genau sagen, was auf einen zukommen wird und wie man sich darauf einzustellen hat. Denn die Geschichte scheint sich ungerührt des Neustarts kontinuierlich fortzuschreiben – nach wie vor stecken wir inmitten handfester Krisen mit dem Gefühl, dass die Politik das Weltgeschehen nicht mehr wirklich im Griff hat. Immer mehr Menschen glauben, auf sich alleine gestellt zu sein mit den unüberschaubaren Entwicklungen auf dem Globus. Ja, man wähnt sich sogar in einer Phase bevorstehender, großer Umbrüche. Wobei man gleich einwenden muss, dass solche Eindrücke ständig auftreten. Die Erwartung großer Umwälzungen verleiht der eigenen Lebens-Zeit höhere Bedeutung, was eine Erklärung für dieses Phänomen sein könnte. Oder sie lenkt von persönlicher Unfähigkeit ab, je nachdem.
Wie auch immer, Zukunftsängste sind ohnehin zeitlos populär; das Unbekannte wird kaum mit Positivem gleichgestellt. Der Mensch tickt einfach so. Die Scheu vor dem Risiko an sich hat wohl etwas Magisches. Wir sind neugierig, zugleich haben wir aber Angst vor dem, was das Neue für uns bedeuten könnte. Diese Ambivalenz fasziniert.            
Zudem schaffen Befürchtungen über die Zukunft eine gesellschaftliche Solidarität, man ist sich zumindest einig, dass es so nicht weitergehen wird. Aus dieser Meinung keimen auch die Vorbehalte gegenüber Veränderung. Denn es kann ja nur schlechter werden. Weshalb man eben gerne an dem festhält, was man hat. Und das will man sich auch nicht wegnehmen lassen.
Würden wir der Zukunft allerdings grundsätzlich Besseres zutrauen, gewönne unser Fortschritt eine ganz andere Dynamik. Auch persönlich würde uns diese Haltung bereichern – statt Besitzstandswahrung regierten freie, offene und zuversichtliche Gedanken unser Verhalten. So würden wir stets mutig Neues wagen und dem Unbekannten unvoreingenommen begegnen.
Erwartungen hingegen streben nach Bestätigung, und als geübte Misanthropen haben wir ja Gewissheit darüber, dass getreu Murphys Gesetz alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Doch ist es nicht unserer Erwartungshaltung selbst, die die Aufmerksamkeit fokussiert? Sehen wir nicht einfach nur das, was wir sehen wollen? Trifft das Schlechte vielleicht nur deshalb ein, weil wir es eben erwarten und (unterbewusst) alles tun, um Recht zu behalten? Sind letztlich die ganzen Krisen nicht die Folge einer solchen negativen Haltung?

Warum tauschen wir nicht einmal negative Erwartungen gegen eine positive Bereitschaft? Wäre das nicht ein guter Start für ein neues Jahr? Würden wir dem Glück mit dieser Einstellung auch nicht einen großen Schritt entgegenkommen?
Bei dieser Einschätzung entgegnen mir meine Kritiker, dass der Mensch mit der Aufgabe seiner Erwartungen auch ein Stück Sicherheit verlöre. Schließlich würde er sich ja auf diese Vorstellungen verlassen. Allerdings geht es bei meiner Anregung nicht darum, Vorstellungen aufzugeben, sondern Befürchtung durch Hoffnung zu ersetzen. Es macht auch keinen Sinn, seine Ängste zu negieren, sie gehören einfach zu uns. Vielmehr plädiere ich dafür, den eigenen Ängsten mit Mut statt mit Furcht zu begegnen. Und es ist durchaus richtig, dass die Zukunft wegen des unvorhersehbaren Laufs der Welt immer unsicherer erscheint. Aber auch hier gilt, Selbstsicherheit zu entwickeln statt Garantien von anderen zu fordern. Nur auf diese Weise, wenn Sie meiner Ansicht folgen mögen, werden wir die Veränderungen, welche unser Leben formen, selbst bestimmen können. Denn ich glaube fest daran, dass die Zukunft nicht von irgendwo her auf uns zukommt. Sondern sie kommt aus uns selbst. Freilich, das fordert mehr Verantwortungsbewusstsein, sind bei dieser Haltung plötzlich nicht mehr die anderen immer am eigenen Schicksal schuld. Nunmehr ist die Zukunft die Folge unserer eigenen Denkweise.
 
Dennoch werden wir die Welt nicht so machen können, wie sie uns gefällt. Schließlich sind wir eingebunden in unsere Zeit und agieren mit den Menschen, mit welchen wir in ihr leben. Positives Denken um seiner selbst willen oder um jeden Preis funktioniert nicht.
Aber wir tragen mit einer positiven und offenen Grundhaltung dazu bei, dass die Welt besser wird. Und mit dieser Einstellung wird uns die Welt, so wie sie ist und werden kann, auch besser gefallen. Schon einfach deshalb, weil wir anders auf sie achten. Dann klappt es auch mit der Zukunft, denn sie wird sichtbar. Und zwar in der Art, wie es der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt einst beschrieben hat: „Überall geht ein frühes Ahnen dem späten Wissen voraus.“ Ich glaube, er meinte damit Weitblick und Zuversicht. Um beides zu erlangen, hilft uns die Inschrift am Eingang des Orakels von Delphi, die lautete: „Erkenne Dich selbst.“ Heißt zusammengefasst: Weitblick und Zuversicht bedingen Einsicht und Selbstvertrauen. Letztlich liegt es also an uns selbst, wie wir das neue Jahr erleben werden.
Und was ist mit den guten Vorsätzen?
Betreffen sie uns selbst, sind sie durchaus hilfreich.
Deshalb habe ich hier 10 Vorsätze zusammengetragen, zur Anregung:

Vorsatz Nr. 1:
Selbst so werden, wie man sich andere wünscht.
(Auf diese Weise erkennt man am besten, wer man sein könnte)

Vorsatz Nr. 2:

Mehr staunen, weniger zweifeln.
(Nichts öffnet einem mehr die Augen als Bewunderung)

Vorsatz Nr. 3:
Nichts und niemandem mehr nachlaufen.
(Entgegenkommend zu sein, reicht völlig und schafft Respekt)

Vorsatz Nr. 4:
Umwerfend sein.
(Das bringt Gegner am schnellsten zu Fall)

Vorsatz Nr. 5:
Immer einen ersten Schritt machen.
(Er hinterlässt die Spur, der andere folgen)

Vorsatz Nr. 6:
Sich am Unmöglichen orientieren.
(Nichts offenbart das Mögliche besser)

Vorsatz Nr. 7:
Nur das in die Hand nehmen, was wir uns auch ans Herz legen würden.
(Nur was uns am Herzen liegt, haben wir auch im Griff)

Vorsatz Nr. 8:

Ausschließlich das verkaufen, was man selbst schätzt.
(Alles andere kann man sich schenken)

Vorsatz Nr. 9:
Die Dinge nicht so nehmen, wie sie kommen.
(Die Dinge kommen so, wie wir sie nehmen)

Vorsatz Nr. 10:
Unsterbliche Dinge tun.
(Als Trost für ein endliches Leben)


© Oliver W. Schwarzmann, Bley und Schwarzmann AG, 2015