Wo bitte geht’s zur Zukunft?

von Oliver W. Schwarzmann,

Publizist für ökonomische Zukunftsentwicklungen

 

Die Welt ist in Aufruhr, die Katastrophenmeldungen reißen nicht ab – Fukushima, Griechenland– und Euro-Krise, nicht zuletzt vergeht einem der Appetit auf Gesundes durch EHEC. Freilich, es ist schon richtig, Katastrophen gab es schon immer, doch niemals zuvor war der Informationseinfluss derart intensiv – wir nehmen nicht mehr nur Anteil, sondern sind dank Multimedialisierung ständig und überall mittendrin im Geschehnis. Wir können uns durch die heutige Transparenz keinem Schicksal mehr entziehen, was eine völlig neue Betroffenheit erzeugt, mit der wir erst noch umzugehen lernen müssen.
Der direkte Blick aufs Risiko hat noch einen anderen Effekt: Die Erwartungen an die Zukunft werden in möglichen Bedrohungen gerechnet. Einerseits, weil wir eben von jeder Menge Katastrophenmeldungen gehetzt werden, andererseits, weil die Zukunft jegliche Zuverlässigkeit verloren hat. Kontinuität und Normalität – das haben wir nunmehr wohl verstanden – gibt es nicht mehr, außer in der Rhetorik von Politikern. Dabei taucht immer wieder der Begriff der Nachhaltigkeit auf – doch was ist einer sich schnell verändernden Zeit schon noch nachhaltig?
Rahmenbedingungen – das sehen wir täglich – können es nicht mehr sein.
Was aber tritt an deren Stelle?
Nun, ich glaube, die Rolle der Konstanz und Stabilität werden wir selbst übernehmen müssen. Ja, wir sind gefragt, wenn es um Zuverlässigkeit, Vertrauen und – eben – um Nachhaltigkeit geht. Nachhaltigkeit ist nämlich nichts anderes, als Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft zu übernehmen.
Hierzu müssen wir alte Konzepte über Bord werfen und neue Routen ergründen, ungewohnte Wege einschlagen und Ungewöhnliches wagen. Mit den Lösungen von gestern können wir die Probleme von morgen nicht bewältigen. Im Gegenteil: Erstere produzieren Letztere.
Nicht der Atomausstieg ist für die Zukunft entscheidend, sondern die Intelligenz der Energiealternativen. EHEC und Co. werden sich nur effektiv bekämpfen lassen, wenn wir mehr Respekt vor unseren Lebensmitteln entwickeln. Und Geld alleine wird Griechenland nicht helfen, auch der verordnete Sparzwang die hellenische Zukunft nicht sichern – aus Herkules kann man keinen Häberle machen. Griechenland braucht eine neue ökonomische Vision.      
Und da sind wir beim Thema.
Wir vermissen sie überall – die Visionen, Utopien und neuen Horizonte.
Wo sind die Perspektiven, die uns motivieren, mitreißen und begeistern?
Von der Politik hören wir nur noch „alternativlose“ Entscheidungen – doch das Fehlen an Alternativen ist ein Verlust an Gestaltungswillen. Ebenso wie Unsicherheit und Orientierungslosigkeit das Ergebnis eines Mangels an Perspektiven darstellen.
Was fehlt, ist ein motivierendes Zukunftsbewusstsein – denn wir müssen uns fragen: Woher soll das neue und notwendige Wachstum denn herkommen, wenn nicht aus der treibenden Kraft unserer Kreativität?     
Wo bitte geht’s also zur Zukunft?
Für die Suche nach neuen Impulsen habe ich für deren Start folgende zehn Punkte formuliert:  

1. Die Größe von Rahmenbedingungen bemisst sich an der Weite unseres Blickfeldes.

Wer Möglichkeiten nicht sehen will, wird auch keine Zukunft finden. Wer sich nur auf die eigenen Interessen beschränkt, macht sie zu den Grenzen des Möglichen.

2. Nach dem Prinzip der Weiterentwicklung ist die Zahl der Möglichkeiten

grundsätzlich höher als die Zahl der Zwänge.

Wäre die Entwicklung der Welt nur Notwendigkeiten gefolgt, gäbe es weder Vielfalt noch Schönheit. Wer sich durch Zwänge leiten lässt, löst nur neue Notwendigkeiten aus.

3. Sicherheit ist nicht das Gegenteil von Unsicherheit;

Sicherheit ist, sich seiner Veränderungsfähigkeit bewusst zu sein.

Flexibilität ist zweifellos ein Erfolgsfaktor.
Doch Flexibilität bedeutet nicht, angepasst zu sein.
In der Natur ist es so, dass bei Veränderungen die am besten angepassten Lebewesen als erste aussterben.
Flexibilität heißt, eigene Maßstäbe setzen zu können.

4. Freiheit ist ein Zeichen für, nicht gegen Verantwortung. 

Wir können nur das Maß an Freiheit einfordern, für das wir auch bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen.  

5. Je kurzfristiger die Welt sich entwickelt, desto weitreichender müssen unsere Zukunftsvisionen sein.

Je schneller sich unsere Welt dreht, desto wichtiger ist es, eine Richtung zu entwickeln. Ansonsten drehen wir uns nur mit.

6. Wer morgen noch arbeitet, wird nicht mehr erfolgreich sein.

Wer lediglich seinen Job tut, wird sein Potenzial nie ausschöpfen. Fragen Sie sich selbst nach dem Unterschied zwischen Arbeit und Engagement. Fragen Sie sich dann, in welcher Welt Sie leben wollen – in der Welt der Arbeit oder in der des Engagements?

7. Jede Entscheidung ist nur so gut, wie das Maß an neuen Möglichkeiten, die sie ermöglicht.

Wer bei seinen Entscheidungen immer nur zwischen Alternativen auswählt, lernt die Zukunft lediglich von einer Seite kennen. Entscheidungen sind dazu da, neue Alternativen zu schaffen.

8. So wie wir mit der Wirtschaft umgehen, wird sie mit uns umgehen.

Das Wirtschaftssystem hat keine Schuld an Krisen und sozialer Ungerechtigkeit.
Die Ökonomie bildet lediglich ab, was wir gestalten.

9. Der Erfolg eines Menschen ist nur so groß, wie es seine Vorstellungskraft ermöglicht.

Von Spitzensportlern, Künstlern und Stars erwarten wir, dass sie alles geben. Tun wir das auch? Was unterscheidet uns von Spitzensportlern, Künstlern und Stars? Die Bühne? Der Applaus? Das Geld? Oder liegt der Unterschied darin, dass wir Zuschauer sind? Wollen wir auch Zuschauer unseres eigenen Lebens bleiben?10. Motivation ist die Suche nach dem Besonderen.Sind Sie wirklich auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen und Einzigartigen?Ja?Dann sind Sie richtig.Denn im Besonderen wird die Zukunft entschieden.